Das Gesundheitssystem im Baltikum

Das Gesundheitssystem in den baltischen Ländern wird nach der politischen Änderungen reformiert. Die Strategie verfolgt eine Dezentralisierung, eine Privatisierung des Gesundheitswesens und die Einführung von gesetzlichen Krankenversicherungen.

In Lettland finanziert sich das Gesundheitswesen von Steuern und Zuzahlungen, die die staatliche Krankenversicherungsagentur an die Krankenkassen verteilt. Alle Einwohner haben Recht auf eine medizinische Grundversorgung. Allerdings werden für die Gesundheit viele Zuzahlungen fällig. Die Patienten müssen die Zahnbehandlung und fast alle Medikamente selbs bezahlen. Im Krankenhaus werden auch einige Gebühren bezahlt. Nur die Notfallbehandlungen sind zuzahlungsfrei. In der Regel zuerst kommt man in Berührung mit einem Hausarzt. Zum Facharzt oder in eine Klinik kann der Patient nur mit Überweisung eines Hausarztes gehen. Den größten Teil der medizinischen Versorgung leisten die Polikliniken und die Krankenhausambulanzen. Spezialisierte Kliniken und größere Krankenhäuser gibt es nur in der Hauptstadt Riga.

In Litauen wird allen Einwohnern im Grundsatz eine kostenlose Gesundheitsversorgung angeboten. Das Geld für das Gesundheitsystem kommt aus Steuern und Beiträgen. Die Krankheitsversicherung ist zentralisiert. Das Gesundheitsministerium gibt Leistungsumfang und Preise für die medizinischen Dienste. Die örtlichen Patientenkassen und die staatliche Sozialversicherungsanstalt leisten die Zahlungen an Mediziner, die mit den Kassen Verträge abgeschlossen haben. Die Versicherten können ihren Hausartz frei wählen, der nötigenfalls überweist die Patienten an einen Spezialisten oder an ein Krankenhaus. Keine Überweisung braucht man bei Notfällen. Die stationäre Versorgung erfolgt in Krankenhäuser, Allgemain- und Spezial- und Universitätskliniken.

Das estnische Krankenversicherungssystem gibt allen Versicherten gleiche Rechte und wird über die staatliche Krankenversicherung und die vier regionalen Krankenkassen verwaltet. Der Besuch beim Hausarzt für die Versicherten und die Notfallversorgung für alle ist kostenfrei. Einige Gebühren zahlen die Patienten beim Besuch eines Facharztes und im Krankenhaus. Die ambulante Versorgung geschieht in Gemeinschaftspraxen und Polikliniken und die stationäre überwiegend in Krankenhäuser und Universitätskliniken. Estland hat auch das Krankenhauswesen umstrukturiert und hat die kleinere Kliniken geschlossen. Vor einigen Jahren entschloss sich die Regierung alle Krankenhäuser zu privatisieren. Die baltische Republik baut zurzeit ein umfassendes medizinisches Informationsystem, in dem die Gesundheitsdaten jedes einzelnen Bürgers vollständig und lebenslang gespeichert werden.

In den drei baltischen Ländern muss man für einen Zahnarzt und für Arzneimittel zuzahlen. Die höhe und Art der Beiträge richten sich nach der Krankenversicherung und es kann sich gegebenenfalls ein Krankenversicherungswechsel rentieren. Zusätzliche Leistungen wie beispielsweise für eine Kur mit Sauna oder Wärmekabine werden in der Regel nicht von den Krankenkassen übernommen sondern müssen aus eigener Tasche bezahlt werden.