Polen: Wahlkabinen voller Heizöl
Polen ist auf der Suche nach einem neuen Staatsoberhaupt für die nächsten fünf Jahre. Trotz schleppenden Beginns, wurde den Wahllokalen dann doch noch mächtig eingeheizt. Am Sonntag zeichnete sich nicht nur eine höhere Wahlbeteiligung im Vergleich zu 2005 ab; mittlerweile schürt auch die Gerüchteküche den Wahlofen gehörig mit Heizöl.
Denn es werden Stimmen lauter, dass besonders einer der Anwärter um das Amt des Präsidenten gemogelt haben soll. Manipulation und Wahlfälschung sei in Polen kein Problem sagen die einen, dass alles mit rechten Dingen zugegangen sei, behaupten die anderen. Der Streit um das Präsidentenamt ist entflammt und da man bei der ersten Wahl zu keinem klaren Ergebnis kam, erwartet unseren osteuropäischen Nachbarn Anfang Juli 2010 eine Stichwahl.
Die beiden Kandidaten Jaroslaw Kaczynsk und Bronislaw Komorowski stehen dann den Stimmberechtigten zur Wahl. Ob auch nach diesem zweiten Durchgang heiße Debatten um möglichen Wahlbetrug die Runde machen werden, kann nicht prognostiziert werden. Aber im allgemeinen findet man solche Anschuldigungen bei jeder politischen Wahl. Wie viel Wahrheit tatsächlich dran ist, muss aufwendig und genauestens geprüft werden.
Trotz sommerlicher Temperaturen wird man in Polen also unter Umständen Gebrauch vom politischen Heizöl machen und die Gerüchte um den jeweils unerwünschten Kandidat anfeuern. Doch sollte man darauf achten, sich dabei nicht die Finger zu verbrennen. Denn Unwahrheiten hin oder her – Wer in Polen beim Betrugsversuch erwischt wird, kann sich auf einen längeren Aufenthalt im Gefängnis einstellen. Dies ist dann kein Gemunkel mehr, sondern ein gesetzliche Tatsache.
Bei allem Tratsch um den Ablauf des ersten Wahldurchgangs, haben die polnischen Mitbürger aber ihren verstorbenen Präsidenten Lech Kaczynski nicht vergessen. Für viele wird er immer ein Teil der eigenen polnischen Identität bleiben und unabhängig davon wie die Wahl ausgehen wird, wünschen wir unseren polnischen Freunden einen Nachfolger, der ihnen die Kraft gibt, die Tragödien der Vergangenheit zu überwinden und in die Zukunft zu blicken.